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54, 67, 90, 110 – ja, so stimmen wir alle ein.

Mit der Faust in der Tasch und nem Loch im Portemonaie

werden wir mal Rentner sein.

– oder: der Fehler der Umlage finanzierten Rente – falsche Lösungsansätze –
Möglichkeit zur Behebung des Systemfehlers

Bereits Konrad Adenauer wurde auf den Systemfehler in der deutschen, Umlage finanzierten Rente hingewiesen. Trotzdem wird das nicht reparierbare System fortgeschrieben. Anstatt echte Strukturreformen durchzuführen, wird es nur mit neuer „Farbe“ überpinselt. Was aber das von Anfang an vorhanden „Leck im Schiff“ nicht repariert, sondern den Untergang nur um ein paar Jahre verschiebt. Wegen dieses Systemfehlers ist auch die Rente mit 67 keine Lösung sondern eine reine Rentenkürzung, weil Sie unterstellt, dass mit zunehmendem Lebensalter auch die Leistungsfähigkeit im Alter steigt, was nun aber angesichts der Notwendigkeit zur Einführung einer Pflegeversicherung widerlegt wird.

Der Systemfehler: Wenn in einem Umlagefinanzierten System die Zahl der Beitragsempfänger steigt, dann muss auch die Zahl der Beitragspflichtigen steigen um den Beitragssatz stabil zu halten und damit die von der Höhe der Beitragszahlung abhängigen Ansprüche nicht steigen zu lassen. Weil aber mit einen ständig steigenden Zahl der zukünftigen Rentenempfänger auch die Zahl der zukünftigen Beitragszahler kontinuierlich steigen muss…und so weiter. Ein Umlagefinanziertes System kann also nur dann funktionieren, wenn folglich die Zahl der Beitragszahler – sprich sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer – kontinuierlich steigt. Man nennt dies auch ein sich ständig erweiterndes Pyramidensystem, was aber schlussendlich nicht machbar ist, weil unendliches Wachstum der Bevölkerung an ein sich permanent ausweitendes Staatsgebiet gebunden ist…dem allein schon die endliche Größe der Erde eine fixe Grenze setzt. Tatsächlich aber wird diese Grenze wegen diverser Bedingungen schon viel früher erreicht.

Dieses erkennt man am leichtesten, indem man sich zunächst ein funktionierendes Umlagesystem und dessen Bedingungen – auch grafisch – verdeutlicht.

Abbildung 1

 

 

 

20

 

 

 

 

Alter: 95 bis 104 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

 

 

 

 

Alter: 85 – 94 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

 

 

Alter: 75 – 84 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

Alter: 74 bis 65 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

Alter: 55 bis 64 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

Alter: 45 bis 54 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

Alter: 35 bis 44 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

Alter: 25 bis 34 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

Alter: 16 bis  24 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei dieser schematischen Darstellung versorgen 2000 Beitragszahler 620 Rentenempfänger. Sprich: Jeder Rentner wird von 3,23 Beitragszahlern finanziert. Andersherum ausgedrückt finanziert jeder Beitragszahler 0,31 Rentenempfänger.
Da der Beitragssatz ein prozentualer Anteil von Lohn bzw. Gehalt ist werden auch Rentensteigerungen entsprechend der Lohn- und Gehaltserhöhungen abgefangen ohne die Beitragssätze zu verändern. Durch die stabile Zahl der Einzahler kann man auch den Beitragssatz stabil halten. Unter dieser Prämisse können dann die Empfänger über Generationen hinaus versorgen…quasi endlos lange.

Alle Veränderungen in der Zahl der Rentenempfänger und der Beitragszahler aber muss zu einer langsamen aber sicheren Zerstörung des funktionierenden Systems führen.

Eine Erhöhung der Beiträge – wie vielfach in den letzten Jahrzehenten geschehen – erhöht auch den Wert des Anspruchs (~Rente), was wiederum zu Folge hat, dass wieder mehr Beitragszahler die Rentner versorgen müssen…was dann ein nicht funktionsfähiges Pyramidensystem (s.o) zur Folge hat…

Dem oben gezeigte Idealmodell eines funktionierenden Umlagefinanzierten Rentensystems aber entsprach das Deutsche Rentensystem schon von Anfang nicht und die daraus resultierenden Folgen waren ebenfalls von Anfang an absehbar…nur halt leider war klar, dass die Folgen der Nicht-Finanzierbarkeit erst mit einem erheblichen Zeitverzug ersichtlich wurden:

  1. Nach Kriegsende 1945 gab es keine Beitragszahler und nur wenige Empfänger.
  2. Die Zahl der Beitragszahler stieg im laufe der Jahre beim Wiederaufbau Deutschland kontinuierlich.
  3. Damit stieg aber auch der Zahl der Anspruchsberechtigten – sprich späteren Rentenempfänger.
  4. Und weil die Zahl der Rentenempfänger kontinuierlich stieg, musste auch die Zahl der Beitragszahler kontinuierlich weitersteigen – open end.
  5. Der kontinuierliche Anstieg der Zahl der Beitragszahler ist aber physikalisch bei gleich bleibendem Raum nicht möglich, da der verfügbare Raum für Arbeitsplätze nicht wächst.

Effekte, wie der Deutschen Wiedervereinigung – selbst wenn Sie einen dauerhaften (= immerwährenden) positiven Effekt auf die Wirtschaft gehabt hätten – haben für das funktionieren des System an sich wegen ihrer einmaligen Erscheinungsweise keine Bedeutung. Wenn aber – wie durch die Wiedervereinigung tatsächlich bedingt – eine zusätzliche Zahl von Rentenempfängern ins System integriert wird, beschleunigt dies nur die Überforderung des Systems. Nur zwei vorher unabhängige und beide funktionierende Umlagefinanzierte Systeme können erfolgreich zusammengefügt werden. Ein absehbar nicht funktionierendes System zusammen mit einem reinen Steuernfinanziertes System – zudem noch mit Steuern die nicht mehr erhoben werden – weil die DDR ja aufgehört hat zu existieren – kann nur kollabieren.


 

Wenn nun aber die Zahl der Beitragszahler zu Anfang kaum vorhanden ist und dann steigt – wie im Nachkriegsdeutschland – entwickelt sich ein Pyramidensystem, siehe Abbildung 2

Abbildung 2:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20

 

 

75 Jahre und älter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

 

 

74 - 65 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

64 - 55 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

54 - 45 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

44 bis 35 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

34 bis 25 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

100

 

16 bis 24 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Abbildung 2 müssen 120 Rentenempfänger (gelbe Kästchen) versorgt werde. Die steigende Zahl der Beitragszahler (rote und orange Kästchen) entspricht 2.300 Beitragszahlern (Versorgungsfaktor 0,052). 50 Jahre später gehen die in Abbildung 2 sich im Alter zwischen 16 bis 24 in Rente. Selbst wenn man unterstellt, dass ein Kästchen nicht das Rentenalter erreicht, müssen nun statt 120 ca. 900 Menschen mit Rente versorgt werden. Was bei einem Faktor von 3,23 (siehe oben) 2907 Beitragszahler bedeutet statt, wie in der ersten Abbilddung aufgezeigten 2000 Beitragszahlern…sprich alle 50 Jahren muss die Zahl der Beitragszahler um mehr als 45 Prozent steigen, was nun nicht gerade realistisch ist.

Wenn nun aber die Zahl der Beitragszahler nicht ständig steigt – deswegen habe ich die Randbereiche orange gefärbt – dann erhöht sich der Rentenversorgungsfaktor (=Rentner pro Beitragszahler), bei gleich bleibenden Beitragszahlern mit dem oben beschriebenen Problem der Beitragserhöhung.

Erst wenn man die in der Bevölkerung breiteste Bevölkerungsschicht – sprich die in den Jahre 1960 bis 1970 ins Erwerbsleben eingetretenen und ca. 2000 bis 2010 in Rente gehenden Bevölkerungsteil – ca. im Jahre 2040 rententechnisch „abgearbeitet“ hat, weil sie verstorben sind, stabilisiert sich dass System wieder.

Und genau hier liegt das Problem.
Die jetzige Generation muss die Fehler des Umlagefinanzierten System jetzt dringenst korrigieren…sonst fährt der Bus, der über Beitragserhöhungen am rollen gehalten wurde – todsicher – gegen die Wand. Wenn man – wie jetzt angedacht, das Rentensystem über Steuern finanziert, werden mindestens die nächsten zwei Generationen nicht nur mit Arbeitsplätze vernichtenden Lohnzusatzkosten belastet, sondern müssen ausschließlich für die Rente Ihrer Eltern auch noch kräftig Steuern zahlen…was die verfügbaren Mittel für die private Vorsorge erheblich einschränkt.
Spätestens wenn man den so belasteten Beitragszahler auch noch „empfiehlt“ sich eine private Sicherung anzusparen wird deutlich, dass dies bei sinkender Kaufkraft durch stärkere Besteuerung des täglichen Lebensbedarfs, schlicht nicht möglich ist. Denn über 100 Prozent kann der Beitragszahler für Lohnnebenkosten + Steuern für die Rente + Kosten der Lebenshaltung nicht ausgeben.
Wo nichts ist kann man sich auch nichts hin wünschen. Nur begreifen muss man diesen Systemfehler um ihn korrigieren zu können. Entgegen meinen sonstigen Beiträge kann ich hier aber keinen Lösungsvorschlag unterbreiten. Vielleicht einen Ansatz:

Das Rentensystem wird auf einen Grundversorgung umgestellt und daneben müssen die Beitragszahler sich eine private Absicherung ansparen. Um dafür aber Mittel zur Verfügung zu haben, müsste aber die Steuerbelastung kräftig sinken, was nur durch Einschränkung der betriebsinternen Kosten des Staates funktionieren kann… wovon wir aber meilenweit entfernt sind  besonders eine gestiegenen Mehrwertsteuer.