HRE – HypoRealEstate – Das etwas andere Problem.
Gerade weil die Hypo-Real-Estate vor Kurzem mal wieder um eine milliardenschwere Finanzspritze des mittlerweile alleinigen Eigentümers – der Bundesrepublik Deutschland – bat, sollte man sich die Affaire HRE doch mal präziser aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Ein tragender Stein des Geschäftsmodells der HRE ist der Kauf von staatlichen Schuldverschreibungen, weil dieser immer bedient werden – zumindest ist bislang eine Änderung nicht bekannt. Die Verzinsung ist zwar nicht besonders attraktiv, aber dafür kann man derartige Schuldverschreibungen des Staates auch erstklassig als Sicherheit für andere, wackligere Investments benutzten.
Wenn der Staat einer einzigen Bank wieder und immer wieder Sicherheiten und Geld zuschustert, so mischt er sich einerseits gravierend in die privatwirtschaftliche Wirtschaft ein. Und ob Beamte die besseren Kaufleute sind, darf ich hier einfach mal in Frage stellen. Daher besteht schon, von der grundsätzlichen Betrachtung her, ein gewisse Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens der Bundesregierung zu Gunsten der HRE.
Andererseits wechseln wir nun aber die Betrachtungsweise:
Der Bund kann sich seit Jahrzehnten nur noch durch zusätzliche Schuldenaufnahme über Wasser halten. Diese Schuldenaufnahme erfolgt bei privaten Banken – weil es der Bundesbank verboten ist, dem Staat Geld zuzuschustern, in dem man die Geldnotenpresse anschmeißt.
Einer der Großabnehmer dieser, neuen Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland ist seit Jahren die HRE. Sie ist also Gläubiger der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesrepublik ist dadurch Schuldner der HRE.
Durch hirnrissige Geschäfte der HRE kam diese ins trudeln…die vermeidbar wären, weil jeder Wirtschaftswissenschaftler schon im Grundstudium lernt, dass zwar normaler Weise für längerfristige Kredite höhere Zinsen bezahlt werden müssen, als für Kurzfristige. Er lernt aber auch, dass sich diese Zinsstruktur umdrehen kann, z.B. in einer für jede marktwirtschaftlich orientierte Volkswirtschaft als normal zu bezeichnenden Rezession. Dann wird der Glauben des Gläubigers an eine kurzfristige Kreditrückzahlung geschwächt, weil er erst langfristig wieder die Möglichkeit sieht, dass der Schuldner den Kredit zurückzahlen kann, wodurch sich der kurzfristige Kredit als riskanter – von der grundsätzlichen Betrachtung aus – erweist, als der langfristige Kredit – denn der nächste Aufschwung kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Dass Geschäftsmodell der HRE, langfristige Kredite an erstklassige Schuldner zu vergeben und diese zu refinanzieren über die Aufnahme kurzfristige Darlehen, war also von Anfang an auf Sand gebaut – auf Treibsand, um es präziser auszudrücken. Insofern könnte man auch über die Mangerhaftung für falsche Entscheidungen – z.B. im Rahmen der allgemeinen Geschäftspolitik – diskutieren. Dazu müsste man dann aber den so genannten „Großkopferten“ ans Leder gehen wollen. Aber lassen wir hier diesen Blickwinkel mal außen vor.
Das eigentliche Problem ist das Verhältnis Gläubiger zu Schuldner – hier HRE zur Bundesrepublik Deutschland.
Wenn jetzt der ständig illiquide Schuldner, den in Schieflage geratenen Gläubiger kauft, so ist er wieder im Besitz seiner eigens begebenen Schuldverschreibungen und könnte diese durch Liquidierung des Gläubigers tilgen – was einem Schuldenabbau für die Bundesrepublik Deutschland entsprechen würde und somit als außerordentlich positiv zu betrachten ist.
Offensichtlich will man aber die negative Variante dieses ungewöhnlichen Verhältnisses von Gläubiger zu Schuldner ausnutzen: Der Schuldner – als alleiniger Eigentümer des Gläubigers – kann seine Verschuldung zu Lasten des Gläubigers weiter – quasi unendlich ausbauen.
Um die Sache etwas eindrucksvoller zu beschrieben, verwenden wir ein Beispiel:
Stellen Sie sich vor, Sie haben sich bei einer Bank mit 50.000 € verschuldet. Und anstatt die Schulden zu tilgen, weil Ihnen das aufgrund Ihres ständigen Bedarfs an zusätzlichen finanziellen Mitteln nicht möglich ist, verwenden Sie Ihre sonstigen Einnahmen oder einen Kredit einer anderen Bank dazu, die Bank, der Sie die 50.000 € schulden, in Ihren Besitz zu bringen. Weil Sie – der Schuldner – nun aber die Kreditvergabe – in Ausübung der Funktion des Eigentümers – der Bank bestimmen, können Sie sich weitere Kredite von der in Ihrem Besitzt befindlichen Bank genehmigen lassen, weil Sie als Eigentümer ja die Geschäftspolitik bestimmen.
Man kennt so was auch unter dem Begriff „Perpetuum Mobile“.
Denn natürlich wird die Bank, die Ihnen eigentlich schon den nächsten Kredit, wegen Ihrer extrem eingeschränkten Zahlungsfähigkeit, verweigern müsste, auch alle weiteren Kreditanträge genehmigen, weil Sie ja der Eigner sind…Sie genehmigen sich die zusätzlichen Kredite also quasi selbst.
So wird sich auch die Bundesrepublik – als Eigentümerin der HRE – von eben dieser HRE neue Kredite schlicht auf Anruf hin genehmigen lassen können.
Da Schuldverschreibungen des Staates auch als Sicherheit für die Geldschöpfung durch Kreditvergabe von Privatbanken bei der Europäischen Zentralbank hinterlegt werden können, funktioniert diese negative Variante quasi wie von selbst.
Nun könnten Sie meinen, die Bundesrepublik habe sich mit der Schuldenbremse im Grundgesetzt einen Klotz ans Bein gebunden, der dieses System der systematischen Verschuldung ohne Grenzen verhindert…dem entgegen halten muss ich aber das Beispiel des Versuchs der Einführung eines Schattenhaushaltes bei den letzten Koalitionsverhandlungen. Unter Insider ist dafür der Begriff der „kreativen Buchführung“ bekannt. Oder glauben Sie wirklich, dass Heer der gut bezahlten, verbeamteten Buchhalter hat jetzt, nach dem ersten Fehlschlag, bereits aufgegeben???