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Kranke Gesundheitsreform

Wenn man sich die Diskussion über die alte und neue Gesundheitsreform ansieht, wird deutlich, dass die Beteiligten sämtlicher politischer Couleur offensichtlich – auch wenn Sie sich „Experten“ nennen – überhaupt keinerlei Ahnung davon haben, was es heißt, auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen zu sein.

Leider muss ich – bedingt durch eigene Unfälle, eigene Erkrankungen sowie Erkrankungen im Freundeskreis – mich als solch ein wahrer „Experte“ bezeichnen.

 ·  50 Prozent meiner Zähne – von denen ich wegen zu kleinem Mundraum nur noch 24 habe – bestehen schon seit dem 30ten Lebensjahr hauptsächlich oder ganz aus Titan-Keramik.

·  Meine Bänderrisse im linken Fuß habe ich irgendwann aufgehört zu zählen.

·  Durch einen Skiunfall erlitt ich einen Schädel-Basis-Bruch zzgl. Schädelhirntrauma. Daraus resultiert u.a. eine erhebliche Funktionseinschränkung des linken Beines. Zuzüglich brauche ich etwas länger bis ich realisiere, welche Intention ein Gesprächspartner oder Kontrahent hat. Die medizinische Bezeichnung hierfür ist „organische Wesensveränderung“.

·  Ein Studienfreund hat Diabetes und auch ich habe dadurch gelernt, was es heißt, dauernd auf Medikamente und die permanente Überwachung des Stoffwechsels angewiesen zu sein.

·  Einem anderen Studienfreund musste vor wenigen Jahren ein neues Herz implantiert werden, wodurch er ebenfalls ständig auf Medikamente zur Minderung seines Immunsystems angewiesen ist – verbundenen damit sind höhere Risiken in diversen normalen Tätigkeiten und Lebenssituationen.

Vor allem aber ist mir immer wieder vorgeführt worden, welche Vorteile ich habe, nur weil ich privat Krankenversichert bin, weil mein Vater Lehrer – und damit Beamter – war. Dabei meine ich nicht, dass man beim Arzt nicht so lange auf Behandlung warten muss, wie die gesetzlich Krankenversicherten...o.k.,.. dieser Effekt ist auch ganz nett. Vielmehr aber wird einem vorgeführt, welche Behand­lungs­methoden, eingesetzten Materialen und Krankenhäusern den privat Krankenversicherten vorbehaltenen sind und auf welche sinnvolle Behandlung gesetzlich Versicherte verzichten müssen bzw. diese komplett aus der eigenen Tasche bezahlen müssten.

Bei der aktuellen so genannten „Gesundheitsreform“ – wobei allein die Bezeichnung schon Anlass für ungläubiges Kopfschütteln gibt, wenn man  die Inhalte kennt – soll mehr Transparenz und Wettbewerb geschaffen werden. Tatsächlich aber wird nur eine weitere – aller Voraussicht nach recht große – Staatliche Behörde – der so genannte Gesundheitsfond – geschaffen. Dies führt dazu, dass mit den Beiträgen der Versicherten noch mehr Löhne und Gehälter – eben für die Beschäftigten des Gesundheitsfonds – gezahlt werden müssen. 
Desweiteren können sich die Versicherungsgesellschaften hinter dem von der Bundesregierung festgelegten Satz pro Patient verschanzen und ihre unwirtschaftliche Handlungsweise verstecken. Noch selbst lobend einen Ehrenkranz aufsetzend, in dem Sie freudig mitteile, dass Sie erfolgreich – ach so stark sparen – und somit Ihren Versicherten keinen Sonderbeitrag abverlangen müssen.

Die eigentlichen Probleme, wie die zu großen Anzahl von Versicherung und dadurch überbordender Verwaltungskosten oder staatlich verordneten Minderleistungen für die gesetzlich Versicherten, wegen zu geringem Einkommen oder Nicht-Beamtenstatus, etc. werden dadurch nicht im Geringsten auch nur angegangen.

Eine richtige Reform würde aber den offensichtlich bei den Politikern unbeliebten Systemwechsel beinhalten:

·  Für alle im Alter von 0 – 65 Jahre – bzw. Beginn des Bezugs einer Rente – gilt die Pflicht zur Versicherung in einer privaten Krankenversicherung. Kinder kosten in der prvaten Krankenversicherung nur einen geringen zweistellgen Beitrag, so dass das Kindergeld auch wieder Sinn machen würde. 

·  Alle Rentner und Schwerbehinderten sind in der „neuen“ örtlichen AOK versichert. Es kann nämlich nicht Aufgabe einer Versicherung und deren Mitgliedern sein, die Kosten für Behinderungen oder bedingt durch die zunehmende Alterung zu tragen. Das ist deutlich eine Aufgabe, die von der Gemeinschaft zu schultern ist.

·  Die Kosten der  „neuen AOK“ werden von drei verschiedenen Seiten finanziert:

o       Einen Beitrag der privaten Krankenversicherungen für jede bei ihr versicherte Person

o       Beiträge der Versicherten in der AOK selbst

o       staatliche Zuschüsse aus Steuern, etc..

·  Die Angestellten der AOKs werden zu Staatsdienern – finanziert aber aus den oben aufgeführten Finanzmitteln. Dadurch verschwinden die teilweise exorbitanten Vorstandsgehälter der AOKs und der Staat kann echte Strukturreformen durchführen in Strukturen, die er bislang nicht selbst zu verantworten hatte, was damit wesentlich leichter fällt.

Die heutigen AOKs eigenen sich dafür besonders gut, da es eh schon halbstaatliche Organisationen sind. Zusätzlich sind die AOKs so tief gegliedert, dass Sie sowieso keine marktfähigen Preise anbieten könnten. Die regional tiefe Strukturierung ist wiederum ein positiver Effekt hinsichtlich der Betreuung der in der neuen AOK Versicherten, denn ausschließlich im Alter und bei heftiger Behinderung ist die örtliche Nähe eines Ansprechpartners wichtig und notwendig.

Dadurch erhalten alle Versicherten die gleiche, sehr gute medizinische Leistung, ohne Unterscheidung nach der Höhe des Einkommens. Dann gibt es auch keine Unterscheidung der Patienten mehr nach der Höhe der potentiellen Rechnung des Arztes, womit die oben aufgezeigte Benachteiligung ausschließlich der gesetzlich Versicherten verschwindet.

Der größte Vorteil dieses neuen Systems aber wäre der Wettbewerb. Ein Versicherungsanbieter kann es sich einfach nicht mehr leisten, jedem Abteilungsleiter einen Dienstwagen vor die Tür zu stellen und/oder seine Gebäude in unzweckmäßige Schönheit zu verwinkeln, weil er dadurch einen Kostenschub und damit einen schwerwiegenden Wettbewerbs-Nachteil erleidet, der ihn vom Markt spülen wird. Nur noch die Versicherungsgesellschaften, die zum niedrigsten Preis eine best mögliche Leistung anbieten, bei gutem Service, werden nach weinigen Jahren am Markt überleben...unabhängig von deren Größe, denn das regelt sich selbst über die Deckung der Strukturkosten durch Mitgliedsbeiträge.

Die effiziente Verwendung der eingezahlten Beiträge wird damit automatisch – ohne die üblichen staatlichen Regularien – erreicht.