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Bahn-Börsengang

 

Bei dieser Thematik ist zunächst zu trennen in grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich der Attraktivität besonders für institutionelle Investoren und dann spezielle Erwägungen bezüglich der Personalien Mehdorn und Tiefensee.

 

Grundsätzliche Überlegungen

Die Bahn hat einen fast ausgereizten fast lokal begrenzten Markt. Man kann also nicht mit der Werbemaßnahme um Investoren buhlen, dass man sich weltweit ausbreiten oder seine Leistung global vermarkten will. Diese Einschränkung ist schon das erste Hindernis, um als attraktives Investment von global anlegenden Investoren – sprich den institutionellen Investoren – ernst genommen zu werden. Daher dürfte die Suche nach von der Bundesregierung bevorzugten institutionellen Investoren aussichtslos sein…es sei denn diese Investoren erhoffen sich, bzw. erwarten bei einem entsprechend großen Investment, dass Technik, wie zum Beispiel die Neigetechnik, für ein Brot und ein Ei an Unternehmen weiter gegeben wird, die auf anderen lokalen Märkten sich ausbreiten wollen und in die dann genau diese Investoren richtig groß einsteigen werden. Eine maßgebliche Beteiligung der Deutschen Bahn an lokalen Bahnunternehmen anderer Nationalität selbst im europäischen Ausland dürfte von vornherein, schon allein wegen der nationalen Befindlichkeiten, ausgeschlossen sein.
Bestes Beispiel hierfür ist der Transrapid, den die deutschen Unternehmen nur mir erheblichem Technologietransfer an lokale Subunternehmer hinbekommen haben…die dann in dieser neuen Technologie mit den von ihnen dominierten Konkurrenz-Unternehmen den Transrapid-Erfindern ziemlich in’s Kreuz springen.


Eine Europäische Ausbreitung der Bahn wird auch durch die unterschiedlichen Stromnetze und Stromvarianten in den unterschiedlichen nationalen Bahnen durchkreuzt. Dass es hier zu einer zwar mehr als sinnvollen europäischen Einigung auf einen Nenner kommt, werden wohl frühestens unsere Urenkel im eigenen Greisenalter erleben.

 

Der Börsengang wurde von Anfang an zu sehr als eigenständiges Ziel vermarktet.

Dies ist ein Grundsatzfehler, denn die Investoren wollen aufgezeigt bekommen, was man mit den Einnahmen aus dem IPO machen will…und mal abgesehen von den Millionen-Boni für die Bahnmanager hat die Bahn hier noch keinerlei Investitionsfantasie aufgezeigt…womit dann wieder besonders institutionelle Investoren abgeschreckt werden. Denn nur das Geld „verbrennen“ ist alles andere als ein Anreiz für Investoren die Bahnaktie zu zeichnen.

 

Maßgeblich für den Markt sind auch besonders die Entwicklungsperspektiven, die aber bei der Bahn, Dank der von vornherein begrenzten Lokalität, mehr als eingeschränkt sind. Entwicklungsperspektiven des Unternehmens zu mehr Umsatz und mehr Gewinn sollten schon in einem Zeitraum von bis zu drei Jahren erkennbar sein, so dass die Investoren erkennen können, dass mit ihrem Investment ein Mehrwert geschaffen wird.

Viel zu offensichtlich ist aber die Absicht des bisherigen Alleineigentümers, wegen dessen eigenen finanziellen Engpässen, sich möglichst teuer von Anteilen zu verabschieden, ohne aber die vollständige Kontrolle über das Unternehmen abzugeben. Die mangelnde Einflussnahme aber ist ein weiteres sehr wichtiges Indiz für Investoren, ob sie überhaupt Anteile beim IPO zeichnen.
Die jetzt an die Öffentlichkeit gelangten Boni-Zahlungen an die Vorstände der Bahn bei Durchführung des Börsenganges – womit dann der Börsengang als Selbstzweck wie oben schon erwähnt – abermals bewiesen ist, haben in der Tat dem Projekt einen derartigen Schaden zugefügt, dass eine vom Alteigentümer für gewünscht erachtete Bepreisung der zum Verkauf gestellten Anteile für längere Zeit quasi unmöglich gemacht wurde.

 

Als stärkstes Fragezeichen in der allgemeinen Fragestellung muss aber angeführt werden: Inwieweit lässt sich ein Profitstreben mit dem öffentlichen Versorgungsauftrag in Einklang bringen. Hierzu werden die Werbebotschafter der Bahn auf sehr lange Zeit misstrauisch beäugt ohne entsprechende, vertrauensbildende Aussage treffen zu können – was dann das Image negativ belegt – denn das öffentliche Interesse der Verkehrsversorgung liegt zu dem Profitstreben eines jeden normalen Börsenaspiranten völlig konträr.

Womit wir beim Image wären und damit zur partikularen Betrachtung bestimmter Personen und deren Verhaltensweise kommen:

 

Spezielle Überlegungen zu gewissen Personalien:

Wenn der Vorstandsvorsitzender Medorn meint, es seine eine besondere Leistung der Vorstände den Börsengang hinzubekommen, so liegt er damit – angesichts meiner eigenen Erfahrungen aus zwei Börsengängen – völlig falsch.
Zum einen will die Bahn – nach eigenem Bekunden bzw. dem Bekunden des bislang einzigen Aktionärs – doch gar nicht so viele Aktien an private Anleger verkaufen. Nur für diese aber wäre die zeitaufwendige und sehr reiseintensive Überzeugungsarbeit der Vorstände bei Banken in so genannten Roadshows überhaupt notwendig. Eben damit diese Banken auch eigene institutionelle Investoren ansprechen und selbständig bei ihren besser betuchten Privatanlegern Interesse für die Papier der Deutschen Bahn erzeugen.

Zum Zweiten ist die Überzeugungsarbeit für einzelne Institutionelle Investoren zwar ebenfalls mit Reisetätigkeit verbunden. Die Vorstände können sich auf diese langatmigen Investorengespräche aber wesentlich besser weil individueller vorbereiten…und unter Zeitdruck – wie bei Banken von Privatinvestoren, die einem Börsenaspiranten maximal 10 Minuten geben um sein Geschäftsmodell und die Investitionen zu erklären, die mit den Einnahem aus dem Börsengang finanziert werden – steht man bei derartigen Gesprächen auch nicht.
Die institutionellen Investoren verlangen ja gerade, dass die Vorstände sich für sie Zeit nehmen. Und mit Annehmlichkeiten kulinarischer Art oder bzgl. Sightseeing und das eigene Bild in der veröffentlichten Presse sind diese Termine bei institutionelle Anlegern auch immer verbunden.


Zu guter Letzt aber ist nicht die Leistung der Vorstände auf den Roadshows und den Investorengesprächen für einen erfolgreichen Börsengang entscheidend, sondern vielmehr die zu erwartende Performance der Aktie in den ersten Jahren danach, denn hiermit werden Investmentfonds von der qualitativ hochwertigen und werthaltigen Arbeit des Unternehmens überzeugt, die dann verstärkt in die Aktie beim IPO und danach investieren. Und für diese Performance ist die Leistung der einfachen Mitarbeiter viel entscheidender, als die der Vorstände auf den Verkaufsveranstaltungen.

 

Solange etwa klein-karierte Schaffner es nicht verstehen, dass man  Minderjährige auch bei nicht gültigen Fahrschein nicht auf quasi offener Strecke aus dem Zug wirf, womit Sie dem Image der Bahn bei den Nutzern und Aktionären schaden, damit die Zahl der verkauften Tickets senken und somit für einen möglichen Umsatzrückgang, nicht adäquate Umsatzentwicklung oder auch Attraktivitätsverlust bei potentiellen Bewerbern für Stellen mit besonderen Leistungserwartungen mitverantwortlich sind…solange kann man als Verkäufer noch so warmherzig auf die Investoren einreden ohne den entsprechenden Erfolg haben zu können.
Ein Unternehmen mit einem Image, das von Peinlichkeiten und schlechtem Meinungsbild in der Öffentlichkeit gekennzeichnet ist, wird nur dann Investoren anziehen, wenn die Performance – sprich die Dividendenzahlungen – weit über dem Durchschnitt der sonstigen Anlagemöglichkeiten liegt…sprich eine Dividendenrendite von mindestens 10 Prozent zum Einstiegkurs…was eh schon sehr ambitioniert ist…um es milde auszudrücken. Diese aber wird man bei steigenden Ausgaben für öffentliche „Reparaturmaßnahmen“ am Image nicht erzielen können.

Solange die Nutzer der Bahn auch nicht sicher sein können, aus allen verunglückten Zügen schnellstmöglich gerettet zu werden, erscheint das gleiche Problem am Image und den Umsätze wie eben geschildert.

 

Wenn Verkehrsminister Tiefensee – seines Zeichens oberster Vertreter des alleinigen Eigentümers – meint, er könne nichts gegen die geplanten Erfolgsboni für Vorstandsmitglieder bei durchgeführtem Börsengang unternehmen, weil die ja vom Aufsichtsrat abgesegnet sind, ist er wahrscheinlich mit den aktienrechtlichen Instrumentarium nicht in dem erforderlichen Ausmaß vertraut:
Als alleinige Eigentümer kann er natürlich dem Vorstand ganz gewaltig auf die Füße treten.  Etwa in dem er den Vorstand auffordert, die Erfolgsboni bei Börsengang zurückzunehmen. Und wenn diesem Ersuchen der Vorstand bzw. Aufsichtsrat nicht nachkommt, kann er eine außerordentliche Hauptversammlung relativ kurzfristig einberufen, auf der der alleinige Eigentümer dem Vorstand sein Vertrauen entzieht, womit die raffgierigen Manager auf der Straße stehen und angesichts des persönlich anhaftenden Imageschadens auch so schnell keine andere gleichwertig dotierte Position finden werden

 

Eines muss man Herrn Tiefensee aber zu Gute halten: Er als Insider darf in der Tat in der Pre-IPO-Phase keine negativen Informationen über den Bundestag streuen – was die Opposition bemängelte. Das ist gerade ihm als Insider strengstens untersagt. Diesbezüglich kennen sich wohl diverse Oppositionspolitiker nicht im Aktienrecht aus.